DEM SUCHTPROBLEM IN DIE AUGEN GESCHAUT (Porträt 2011, von Mischa Christen) - Swiss Press Award
SUCHTMAGAZIN
Mischa Christen
Wie kann man als Fotograf präventiv gegen Sucht und Suchtmittelmissbrauch tätig werden? Diese Frage stellte ich mir vor einem Jahr für die freie Arbeit im Auftrag des Suchtmagazins.
Ich habe versucht, der eher abstrakten und klischeebeladenen Drogensucht konkrete Gesichter zu geben - die Bilder zeigen Momentaufnahmen von Süchtigen - jedoch ohne Betonung der körperlichen Auswirkungen der Drogensucht. Ich wollte bewusst nicht mit Bildern der Abschreckung beeindrucken.
Die Umgebung wurde so gewählt, dass keine unmittelbare Verbindung zur Drogenszene oder anderen sozialen Kontexten sichtbar ist. Die winterliche Stimmung in der Umgebung Luzerns, die sowohl winterlich-romantisch erscheint als auch auf Kälte und Isolation verweist, soll die Sonderstellung der porträtierten Personen innerhalb der Gesellschaft sichtbar machen.
Im Alltag schauen viele Menschen bewusst weg und möchten sich nicht mit Süchtigen auseinandersetzen. Das persönliche Urteil ist schnell gefällt und häufig von Gleichgültigkeit oder gar Ekel dieser Randgruppe gegenüber geprägt.
Der direkte und ernsthafte Blickkontakt fordert diesen/diese heraus, sich mit den Porträtierten auseinanderzusetzen und gerade darin kann eine präventive Wirkung entstehen. Es geht nicht um Abschreckung durch Abbildung von sozialen Situationen oder Krankheiten, von denen man sich nicht betroffen oder gefährdet sieht.
Etwas haben alle Porträtierten gemeinsam: die Erfahrung mit Kokain und Heroin. Doch jedes Gesicht hat seine eigene Geschichte: zum Einstieg in den Drogenkonsum, zu den eigenen Erfahrungen mit der Drogensucht und deren Auswirkungen auf die Psyche, den Körper und das Umfeld.
