Zwergen doktor (Swiss Press Text 2014, von Rolf Neeser) - Swiss Press Award
Le matin
Rolf Neeser
Der Madretscher Max Schott pflegt ein einzigartiges Hobby im Bereich des Gesundheitswesens ...
Verbissen kämpfte der 2012 im biblischen Alter von 97 Jahren verstorbene Nanologe gegen den Missbrauch des Gar- tenzwergs durch Gewalt, Miss- handlung, Diebstahl sowie Pulverisierung an, aber auch gegen weibliche Gartenzwerge sowie üble Nachrede. Unter- stützt wird Friedmanns Verei- nigung durch den französi- schen front de liberation des nains de jardin, der die Zwerge aus den Vorgärten befreit und sie in der Natur aussetzt.
In linken Kreisen gilt der Gartenzwerg (Kosten heute: zirka 50 Franken) spätestens seit 1968 als Inbegriff des Spiessertums. So gibt es auch Parodien: Helmut Kohl als Wipfelmann, Gartengnome mit Messer im Rücken oder heruntergelassenen Hosen. Solche sind freilich bislang Schotts Klinik ferngeblieben, auch wenn seine Frau sich sehnlichst Unartige wünscht.
Ohne Ende. Gartenzwerg- Doktor Schott ist im Arbeiter- quartier Möösli aufgewachsen; dort stand in jedem Garten ein Wichtel, der kleine Max flickte sie schon damals. Spä- ter, als er bei der Swissair als Gepäckkontrolleur arbeitete, als Hauswart bei der Swisscom und als Wagenwärter bei den Bieler Verkehrsbetrieben, ver- gass er die Zipfligen, bis ihm seine Frau nach der Pensio-
nierung vorschlug, doch wie- der zu seinem alten Hobby zurückzukehren. Sie machten ein Inserat, und los gings.
Und ein Ende ist nicht ab- zusehen. Allein in Deutsch- land gibt es 30 Millionen Zip- felwichte, weltweit rund 100 Millionen. Und da man auch in der Schweiz mit 3 Millionen rechnen darf, wird dem Gar- tenzwergdoktor aus Madretsch die Büez wohl nie ausgehen ...
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