Der Pate von Höngg / Die Antilope war der einzige Zeuge (Swiss Press Text 2014, von Ricardo Tarli) - Swiss Press Award
Zeitungsverbund "Die Nordwestschweiz"
Ricardo Tarli
Er war bekannt wie ein bunter Hund: Hans Ulrich Lenzlinger hielt sich in den 1970er-Jahren Raubkatzen als
Haustiere, betrieb einen Erotik-Massagesalon und verhalf DDR-Bürgern
zur Flucht in den Westen. Gegen viel Geld schleuste er im Kalten Krieg Menschen durch den Eisernen Vorhang. Als Lenzlinger am 5. Februar 1979 in seinem Haus in Zürich Höngg erschossen wurde, fiel der Verdacht rasch auf die Stasi, den berüchtigten DDR-Geheimdienst. Erst jetzt freigegebene Akten der
Bezirksanwaltschaft Zürich, die dem Autor exklusiv vorliegen, erlauben erstmals, die Minuten vor dem Mord detailliert zu rekonstruieren.
Der vom Wissenschaftlichen
Dienst der Stadtpolizei Zürich abgeleitete Tathergang spricht dabei gegen die These eines Profikillers im Auftrag der Stasi. Plausibler erscheint es, dass der Täter aus Lenzlingers engstem Umfeld stammte, dass die Bluttat also eine unpolitische, private Abrechnung war.