RTS und das Gesetz des Schweigens (Swiss Press Text 2021, von Célia Héron) - Swiss Press Award
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Célia Héron
Jahrelang hat die Direktion des Westschweizer Fernsehens RTS zugelassen, dass sich über Fälle von – meist sexueller – Belästigung, übergriffigem Verhalten oder Machtmissbrauch ein Mantel des Schweigens ausbreitete. Mitarbeitende und Gewerkschaften hatten dem Management von schwerwiegenden Missständen berichtet. Dieses zog es jedoch lange Zeit vor, die Probleme zu verschweigen. Zwei Journalistinnen und ein Journalist trugen rund dreissig Zeugenaussagen zusammen, welche die Vorwürfe stützen. Die Recherche zeigt, dass die Geschäftsleitung seit 2010 über schwere Fälle informiert war: anzügliche Schreiben, Mobbing und primitive Anmache insbesondere durch zwei Führungskräfte. Aber ein Klima der Angst schützte die Täter. Die Opfer wurden versetzt und die Verantwortlichen bloss verwarnt oder gar wegbefördert. Die Recherche geht auch auf den Fall von Darius Rochebin ein, Starmoderator des TV-Senders, der seinen Einfluss missbrauchte, um sexuelle Gefälligkeiten zu erhalten. Die #MeToo-Bewegung, die 2017 entstand, um Frauen zu ermutigen, förderte die öffentliche Debatte über Missbrauch und Vergewaltigung.
